Moderne Gebäude mit großen Fenstern, Autos parken und fahren auf der Straße, Menschen gehen auf dem Gehweg, Sonnenuntergang im Hintergrund.

Chaos vor dem Schultor: ACE und DVW empfehlen Alternativen zum Elterntaxi

Nächste Woche beginnt in den ersten Bundesländern das neue Schuljahr. Vor Unterrichtsbeginn spielen sich dann vor zahlreichen Schulen chaotische Szenen ab, wenn Eltern gleichzeitig ihre Kinder mit dem Auto bringen. Verstopfte Straßen, Zeitdruck und Hektik führen zu Unachtsamkeit und aggressivem Verhalten. Wild geparkte Autos versperren Wege und Sichtachsen und erhöhen so das Unfallrisiko. Wie groß das Problem ist, zeigt eine Erhebung des ACE Auto Club Europa aus dem vergangenen Jahr.

Im Rahmen seiner Clubinitiative „Easy Going“ untersuchte der ACE unter anderem die Elterntaxi-Situation an 167 Grundschulen und beobachtete dabei insgesamt 6.422 Fahrzeuge. In 41 Prozent der Fälle wurden Verkehrsregeln missachtet: 20 Prozent hielten im Halteverbot, 8 Prozent in Einfahrten, jeweils 6 Prozent auf Gehwegen oder in zweiter Reihe. Hinzu kamen weitere Risiken durch Wendemanöver, Rückwärtsfahrten und Kinder, die zur Fahrbahnseite hin ausstiegen.

Früh mit dem Schulwegtraining beginnen

Die Deutsche Verkehrswacht (DVW) und der ACE empfehlen daher, Kinder den Schulweg möglichst selbstständig zurücklegen zu lassen. Voraussetzung dafür ist ein frühzeitiges und intensives Schulwegtraining – zu Fuß und unter realistischen Bedingungen, also nicht nur während der verkehrsarmen Ferienzeit. Dabei erwerben sie wichtige Kompetenzen für eine sichere Verkehrsteilnahme, sammeln Erfahrungen und stärken ihr Selbstvertrauen. Hilfreich ist auch ein Perspektivwechsel: Erklären die Kinder ihren Schulweg selbst und weisen auf mögliche Gefahrenstellen hin, erhalten Eltern einen besseren Einblick in ihre täglichen Herausforderungen. Die Bewegung sorgt zudem dafür, dass Kinder wach und fit in der Schule ankommen. Werden sie dagegen überall mit dem Auto hingefahren, kann das ihre Selbstständigkeit und Entwicklung beeinträchtigen.

Den besten Schulweg testen

Ein geeigneter Schulweg verfügt über ausreichend breite und gut begehbare Gehwege, sichere Querungsstellen wie Ampeln oder Zebrastreifen sowie eine möglichst übersichtliche Verkehrsführung. Eltern sollten bei der Wahl des geeigneten Schulwegs berücksichtigen, dass der kürzeste Weg nicht unbedingt der sicherste ist. Ein kleiner Umweg kann sinnvoll sein, wenn sich dadurch unübersichtliche oder gefährliche Stellen vermeiden lassen. Orientierung bieten vielerorts Schulwegpläne, die bei Schulen, der Polizei oder den zuständigen Straßenverkehrsbehörden erhältlich sind.

Kirsten Lühmann, Präsidentin der Deutschen Verkehrswacht: „Es ist paradox, dass Eltern ihre Kinder aus Angst um deren Sicherheit mit dem Auto am liebsten bis ins Klassenzimmer fahren würden. Doch gerade Elterntaxis stellen vor dem Schultor eine ernste Gefährdung dar. Außerdem beeinträchtigen sie die Entwicklung der Kinder zu eigenständigen und sicheren Verkehrsteilnehmenden - und gefährden sie damit in der Zukunft!“

Alternativen zum Elterntaxi: Die letzten Meter zu Fuß, „Laufbusse“ oder gemeinsames Radfahren mit den Eltern

Wenn sich das Auto nicht vermeiden lässt, sollten Kinder mindestens 500 Meter vom Schulgelände entfernt aussteigen und den restlichen Weg zu Fuß zurücklegen. Einige Schulen haben dafür sogenannte Hol- und Bringzonen beziehungsweise Elternhaltestellen eingerichtet. Auch diese Wege sollten sorgfältig ausgewählt und gemeinsam eingeübt werden. Eine gute Möglichkeit, den Schulweg gemeinsam zurückzulegen, sind sogenannte „Laufbusse“. Dabei gehen Kinder in Begleitung eines Erwachsenen zu festen Zeiten auf einer festgelegten Route zur Schule und können sich an vereinbarten „Haltestellen“ der Gruppe anschließen. Besonders im ersten Schuljahr bietet es sich an, solche Begleitgruppen gemeinsam mit anderen Eltern zu organisieren.

Bei längeren Wegen bietet es sich an, dass Eltern und Kinder gemeinsam mit dem Fahrrad zur Schule zu fahren. Denn: Allein sollten die Kinder erst nach bestandener Radfahrprüfung unterwegs sein. Erst dann verfügen sie über die notwendigen Kompetenzen, um auch im dichten Berufsverkehr den Überblick zu behalten.

Sven-Peter Rudolph, Vorsitzender des ACE: „Nicht immer ist es möglich, auf das Auto zu verzichten. Doch auch dann gibt es sichere Alternativen zum Chaos vor dem Schultor. Wir appellieren an alle Eltern, besonders aufmerksam, rücksichtsvoll und verantwortungsbewusst zu handeln. Denn uns alle verbindet dasselbe Ziel: dass unsere Kinder sicher zur Schule kommen.“

Chaos vor dem Schultor: ACE und DVW empfehlen Alternativen zum Elterntaxi

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